Softwareentwickler und Projektleiter Benjamin Ulrich
Interview | Berghof Testing

Sechs Fragen an Benjamin Ulrich

25. Januar 2021

Es sind vor allen Dingen die logischen Verknüpfungen zwischen Hard- und Software und zwischen Mensch und Maschine, die Benjamin Ulrichs Studienwahl letztlich entschieden haben – und die ihn heute in seiner Tätigkeit bei Berghof Testing immer wieder aufs Neue faszinieren und anspornen. Was ihm in der Zusammenarbeit mit seinen Kunden das Wichtigste ist, welches zentrale Leistungsmerkmal der Prüfsysteme sich seit seinem Start bei Berghof am stärksten verändert hat und vor welcher Prüfaufgabe er den größten Respekt hat, verrät uns der Software-Entwickler und Projektleiter im Interview.

1. Sie stammen aus der Region Reutlingen und haben schon ganz früh im Studium den Kontakt zu Berghof gesucht. Klingt nach einer von langer Hand geplanten Strategie. War es so?

Nein, es war ehrlich gesagt ganz anders. Ich wollte eigentlich zunächst Fahrzeugtechnik an der Fachhochschule in Esslingen studieren und mich dabei auf die Antriebstechnik spezialisieren. Ein Freund hat mich dann zum Tag der offenen Tür an die Hochschule Reutlingen mitgenommen – und nach diesem Tag und vielen interessanten Eindrücken stand für mich fest: das Mechatronik-Studium mit seiner Kombination aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik, das ist genau mein Ding. Der Kontakt zu Berghof war dann eher ein glücklicher Zufall: Es gibt hier seit vielen Jahren eine Industriepartnerschaft mit der benachbarten Hochschule in Reutlingen und so bin ich auf Berghof aufmerksam geworden. 2012 habe ich dann ein Praktikum hier absolviert und war so begeistert, dass ich parallel zum Studium bei Berghof Testing als Werkstudent gearbeitet und auch meine Abschlussarbeit geschrieben habe – alles mit dem Ziel und Wunsch, hier auch nach dem Studium erfolgreich meinen Weg zu gehen. Und das hat ja dann glücklicherweise auch funktioniert. Mittlerweile bin ich schon knapp acht Jahre mit dabei. Und ich möchte auf jeden Fall gerne noch viele weitere Jahre Teil des Berghof Teams bleiben.

2. Was hat Sie denn am Arbeiten bei Berghof so fasziniert, dass Sie das Unternehmen gleich so in den Bann gezogen hat?

Da ist zunächst ein ganz allgemeiner Punkt, der mich damals auch hauptsächlich dazu gebracht hat, meinen ursprünglichen Studienwunsch Fahrzeugtechnik zu den Akten zu legen und lieber auf Mechatronik zu setzen: Mich fasziniert die logische Verknüpfung von Hard- und Software in der Entwicklung unserer Prüfmodule und Prüfsysteme – und die Verknüpfung von Mensch und Maschine beim Lösen der Prüfaufgabe. Hinzu kommt: Bei Berghof Testing bist Du von Anfang an ein wichtiger Teil des Teams, kannst eigene Ideen umsetzen und tauscht Dich regelmäßig und direkt mit den Kunden aus. Das war und ist mir sehr wichtig. Als Mitarbeiter nur ein kleines Rädchen im Getriebe sein, wie es bei vielen großen Konzernen üblich ist, das wäre nichts für mich.

3. Warum ist Ihnen der Austausch mit den Kunden so wichtig?

Für mich persönlich ist es bei meiner Arbeit das Wichtigste, unsere Kunden so gut wie irgend möglich zu bedienen und so ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Ich nehme die von mir verantworteten Projekte tatsächlich sehr persönlich – im positiven Sinne. Es geht eben aus meiner Sicht nicht nur darum, eine optimale technische Lösung für die Prüfaufgabe zu finden. Es gibt noch viele damit verbundene Punkte, die darüber entscheiden, ob ein Projekt am Ende des Tages für beide Seiten der gewünschte Erfolg ist. Ein ganz wichtiger Faktor ist zum Beispiel die Inbetriebnahme der Anlage, die reibungslose Anbindung an die Leitsysteme vor Ort. Noch wichtiger ist allerdings die Schulung des Teams vor Ort und dass wir auch nach dem erfolgreichen Abschluss der Inbetriebnahme immer für unsere Kunden da sind, um uns für Folgeprojekte zu empfehlen. Denn die Systeme werden immer leistungsfähiger, aber auch immer komplexer. Deshalb sind alle unsere Anlagen so konzipiert, dass wir sofort per Fernwartung darauf zugreifen und so schnell und einfach helfen können – und das hilft uns und unseren Kunden wegen der coronabedingten Reiseeinschränkungen zur Zeit natürlich ganz besonders. Gleichzeitig achten wir sehr darauf, dass sich unsere Anlagen dank der grafischen Bedienoberfläche intuitiv und einfach bedienen lassen – unsere hauseigene Prüfsoftware macht das möglich. Grafische Gestaltung ist übrigens ein Thema, das mich auch privat sehr interessiert.

4. Sie sagen, die Prüfsysteme werden immer leistungsfähiger, aber auch immer komplexer. In den knapp acht Jahren, die Sie jetzt schon bei Berghof Testing arbeiten – welches Leistungsmerkmal hat sich in dieser Zeit am stärksten verändert?

Ganz klar der Automatisierungsgrad. Bei immer mehr Projekten entwickeln wir für unsere Kunden heute vollständig automatisierte Prüfanlagen, so genannte mannlose oder werkerlose Systeme. Das stellt unser Team natürlich vor immer größere Herausforderungen, weil wir regelmäßig absolutes Neuland betreten, ist aber auf der anderen Seite auch unheimlich faszinierend. Wir haben diesen Trend schon früh erkannt und uns in den letzten Jahren intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt – mit Erfolg: Unsere jüngsten Stoßfänger-Prüfsysteme erreichen Bestwerte hinsichtlich Taktzeit, Flexibilität und Automatisierungsgrad – und Berghof Testing ist dadurch im Bereich Bumper-Prüfanlagen kräftig gewachsen und heute Marktführer bei der automatisierten Prüfung von Bumpern.

5. Die Prüfsysteme von Berghof testen auch Automobilkomponenten, die bedeutende Faktoren für die Passagiersicherheit sind. Wovor haben Sie in diesem Zusammenhang am meisten Respekt?

Berghof Testing ist einer der Pioniere beim Thema Funktionsprüfung und Kalibrierung von Sitzbelegungsmatten und hat bereits 2006 erste Prüfanlagen zu diesem Thema auf den Markt gebracht und die dahinter stehende Technologie immer weiter optimiert. Unsere „Force Application Machine“ (FAM) prüft und kalibriert diese Komponenten mit schneller, kontrollierter und hochpräziser Kraftregelung. So stellen unsere FAM-Anlagen in unzähligen Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller sicher, dass Gurtstraffer und Airbags individuell auf das jeweilige Passagiergewicht abgestimmt funktionieren und so bei Unfällen ihre optimale Schutzwirkung entfalten. Vor dieser Prüfaufgabe haben wir alle den größten Respekt, denn hier geht es ja buchstäblich darum, im Extremfall Leben zu retten.

6. Sie sagten, dass Sie grafische Gestaltung auch privat sehr interessiert. Inwiefern? Und womit beschäftigen Sie sich sonst noch gerne in Ihrer Freizeit?

Mir macht es großen Spaß, auf beruflichen und privaten Reisen zu fotografieren und damit zum Beispiel Fotobücher zu gestalten. Für Familie und Freunde gestalte ich auch gerne am Computer Kalender, Karten, Einladungen und Flyer. Früher war ich auch als Hochzeitsfotograf aktiv, aber dafür fehlt mir mittlerweile einfach die Zeit. Denn heute steht mein Sohn an erster Stelle, mit dem ich so viel Zeit wie möglich verbringe. Um fit zu bleiben und die schöne Landschaft rund um Reutlingen zu genießen, gehe ich auch regelmäßig mit dem Mountainbike auf Tour. In diesem Jahr soll auch ein Rennrad dazukommen – denn für den Sommer habe ich eine Alpenüberquerung innerhalb einer Woche mit Ziel Venedig geplant. Und ich freue mich natürlich auch darauf, sobald es die Corona-Pandemie wieder zulässt, mit der Berghof Radsportgruppe gemeinsam auf Tour zu gehen.