Thomas Brüggemeier, Vertriebsleiter Berghof Testing
Interview | Berghof Testing

Sechs Fragen an Thomas Brüggemeier

20. Mai 2020

Schon seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Berghof mit Prüftechnologien. Etwa 30 Jahre Erfahrung in diesem Bereich hat Thomas Brüggemeier, seit 2015 Teil der Vertriebsmannschaft von Berghof Testing und seit April 2020 Vertriebsleiter. Warum ihn dieses Thema auch nach dieser langen Zeit immer wieder aufs Neue fasziniert, wo er die besten Ideen bekommt und warum er beim Stichwort Internationalisierung vor allen Dingen an China denkt, erklärt der gebürtige Ostwestfale im Interview.

1. Sie haben sich Ihr gesamtes bisheriges Berufsleben mit Prüftechnologien beschäftigt. War das von langer Hand so geplant?

Eigentlich war es ehrlich gesagt, wie so vieles im Leben, eher ein glücklicher Zufall. In meinem Maschinenbau-Studium träumte ich von einer Karriere in der Motorenentwicklung bei einem der großen Automobilhersteller. Aber dann fiel es mir aus privaten Gründen doch eher schwer, meine Heimat zu verlassen. Und in Ostwestfalen sitzt zwar kein großer Automobilhersteller, dafür aber ein Spezialist für Prüftechnologie, der hauptsächlich für die Automobilindustrie tätig ist. So bin ich in diesem Tätigkeitsfeld gelandet – und bin für diesen Zufall bis heute dankbar.

2. Warum sind Sie dafür so dankbar?

Natürlich haben sich auch die Motoren im Automobilbereich in den letzten 30 Jahren enorm weiterentwickelt. Aber das ist aus meiner Sicht kein Vergleich zu der Entwicklung, die der Bereich der Prüfsysteme und Prüfmodule genommen hat. Ganz ehrlich: Ich hätte mir damals als Hochschulabsolvent im Traum nicht vorstellen können, mit welchen komplexen Fragestellungen wir es heute bei Berghof Testing bei vielen Projekten zu tun haben. Deshalb fasziniert mich dieses Thema auch nach dieser langen Zeit immer wieder aufs Neue.

3. Was ist denn aus Ihrer Sicht der Grund dafür, dass sich die Prüftechnologie so extrem verändert hat?

Das liegt ganz klar am enormen Wandel, den die Fahrzeuge in den letzten Jahrzehnten durchlaufen haben. Angefangen von den Servomotoren, um das Betätigen von Bremse und Lenkrad vom kraftraubenden Akt zum Kinderspiel zu machen, über Komfortmerkmale wie elektrische Fensterheber, Spiegelversteller oder Schiebedächer bis hin zu modernen Kameras, Aktoren und Sensoren, die immer ausgeklügeltere Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalte- und Totwinkelassistenten oder Abstandswarner ermöglichen – wenn sie ein Auto aus den 1990-er-Jahren mit einem aktuellen Modell vergleichen, dann liegen da technologisch gesehen Welten dazwischen. Und alle diese Komfort- und Assistenzsysteme müssen unsere Kunden natürlich schon vor dem Ausliefern an den jeweiligen Fahrzeughersteller auf Herz und Nieren testen. Hinzu kommen die Prüfaufgaben, die direkt in der Fahrzeugproduktion am Ende der Produktionslinie, in der Fachsprache griffig mit EOL (end-of-line) abgekürzt, anstehen – wie beispielsweise das Prüfen und Kalibrieren der Sitzbelegungsmatte mit unserer „Force Application Machine“ (FAM). Und all das vor dem wachsenden Anspruch an möglichst schnelle und effiziente Lösungen – Stichwort: mannlose Systeme. Der langen Rede kurzer Sinn: Mir fallen tatsächlich wenig Bereiche ein, die sich ähnlich stark in ihrer Komplexität erweitert haben wie der Bereich der Prüftechnologie für den Automotive-Bereich.

4. Stark erweiterte Komplexität – das klingt danach, dass Sie als Vertriebsleiter der Berghof Testing auch ständig neue Ideen brauchen. Wo fallen Ihnen denn die besten Ideen ein?

Manchmal natürlich im Büro oder direkt im Gespräch mit unseren Kunden. Aber oft auch auf dem Mountainbike oder beim Wandern mit meiner Frau. Da kann ich meine Gedanken so richtig schön schweifen lassen – und dann kommen mir oft ganz plötzlich die ersehnten Ideen und Lösungen für Themen, über die ich mir manchmal schon Tage oder Wochen den Kopf zerbrochen haben.

5. Apropos Gedanken schweifen: Sie sind ja wie gesagt schon rund 30 Jahre im Bereich Prüftechnik tätig und kennen den Markt sehr genau. Warum haben Sie sich vor einigen Jahren bewusst für Berghof Testing entschieden, was macht dieses Team aus Ihrer Sicht so besonders?

Berghof Testing ist praktisch ein Paradebeispiel dafür, was in aller Welt anerkennend als „German Engineering“ bekannt ist: Hier arbeiten wirklich an allen Stellen erfahrene und erstklassige Experten als eingeschworenes Team an der individuell besten Lösung – und verstehen es regelrecht als Sport, unsere Kunden stets aufs Neue positiv zu überraschen. Deshalb hat sich Berghof Testing vor allen Dingen in der Automotive-Branche einen erstklassigen Ruf erarbeitet. Als sich dann vor einigen Jahren die Chance ergeben hat, Teil dieses Teams zu werden, habe ich deswegen nicht lange gefackelt.

6. Als Vertriebsleiter werden Sie ja vor allen Dingen an einer Sache gemessen: dem Umsatzwachstum. Wo sehen Sie denn für Berghof Testing das größte Wachstumspotenzial?

Auch wenn die Corona-Pandemie natürlich das weltweite Wirtschaftsleben ordentlich auf den Kopf gestellt hat – wie viele Experten bin auch ich fest davon überzeugt, dass China mittel- bis langfristig wieder seinen Platz als die aufstrebende Macht im Automotive-Bereich, wie vor der Corona-Krise, einnimmt. Wir haben uns darauf natürlich bereits eingestellt und sind durch unseren chinesischen Partner Rayyi-Tech sehr gut im Markt vertreten. Dessen Team ist bestens auf unsere Produkte geschult, so dass wir auch jetzt in den Zeiten weltweiter Reisesperren dank Remote-Services unsere Projekte in China – und natürlich auch in allen anderen Ländern – optimal betreuen können.